Zweifel

Mittwoch, 2. Juli 2014

Hach. Ich hoffe ja, dass diese momentane Lebens-Episode nur eine Phase ist, auf die ich spätestens im Oktober mit einem entspannten Lächeln zurückschauen kann.
Es ist schon so lange her, dass ich über die Zeit schreiben wollte, in der ich arbeiten musste und meine Bachelor-Arbeit beenden - und in der dann letztendlich alles zuviel wurde.
Seit Mitte Mai bin ich nun krankgeschrieben und meistens ist das okay; aber manchmal fühle ich mich wie eine Betrügerin. Denn ich habe ja nichts, was man meinem Körper ansehen könnte oder in meinem Blut ablesen würde. Ich war beim Arzt mit einer tiefen Erschöpfung, Hoffnungslosigkeit, Müdigkeit und Lustlosigkeit.
Lina, die gerade einen tollen Artikel geschrieben hat, meinte:
Zu Beginn glaubte ich an einen Stressphase, die ich überstehen würde, wenn ich mich nur anstrenge, wenn ich durchhalte und wenn ich das nächste Projekt abgeschlossen hätte. [...] Aber dann kam das nächste Projekt und das nächste und das nächste.
Der erste Verdacht (es gab noch ein paar andere Symptome) war dann: Schilddrüsenunterfunktion. Ganz ehrlich? Ich habe darauf gesetzt! Ich hoffte, ich könne einfach eine Tablette nehmen, dass ich momentan einfach unter meiner Leistungsfähigkeit wäre - es war aber nicht so. All meine Werte sind fabelhaft und im Prinzip geht es mir gut. Tut es aber nun einmal leider nicht. Nach 7 Semestern Vollzeitstudium mit häufig zwei Jobs war ich ausgebrannt und müde. Mein Arzt schrieb mich also bis Mitte Juli krank und langsam ging es bergauf. An einen Therapeuten war nicht zu denken - etwa zehn sehr freundliche Arzthelferinnen teilten mir mit, ich möge mich Ende des Sommers noch einmal melden, momentan sei da - leider, leider - nichts zu machen. Und aktu habe ich ja auch nichts.
Momentan bekomme ich Krankengeld und ich bin unglaublich froh darüber. Dazu muss man sagen, dass ich an sich einen sehr guten Vertrag unterschrieben habe: Sechs Monate (von Mai bis Oktober) arbeite ich, bekomme aber zwölf Monate ein Teilzeitgehalt. Ich habe mich darauf verlassen, so das erste und zum Teil auch das zweite Semester meines Master-Studiums überstehen zu können. Doch nun... weiß ich nicht, was ich tun soll. Ich glaube nicht, dass ich es von jetzt auf gleich wieder schaffe, Vollzeit zu arbeiten. Sobald ich nur daran denke, bekomme ich Bauch- und Kopfschmerzen. Es gäbe da eine Möglichkeit - die Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell. Doch noch stellt sich mein Teamleiter quer. Zwar bestärkt mich die Personalvertretung und sie wird mich auch zu einem Gespräch mit meinem Teamleiter begleiten, dennoch belastet mich die Situation sehr. Ich weiß nicht, was ich tun soll, wenn meine Wiedereingliederung abgelehnt wird - auch wenn es dafür eigentlich keinen Grund geben kann, der Bestand hätte. Noch bis zum 10. Juli bin ich krankgeschrieben. Am letzten Freitag telefonierte ich kurz mit meinem Teamleiter und er versprach, sich am Montag zu melden... Nichts ist passiert. Nun sitze ich wie auf heißen Kohlen. Erreicht habe ich ihn nur per Email; und eine Abwesenheitsnotiz bekommen: Ab dem 3. Juli ist er wieder da. Um jedoch eine Wiedereingliederung zu bekommen, muss ich auch meinen Arzt und meine Krankenkasse kontaktieren und alle müssen zustimmen. Das dauert ja bekanntlich manchmal etwas...
Uff. Ich hoffe, dass sich diese Worte jetzt nicht so durcheinander lesen, aber genau so sieht es momentan auch in meinem Kopf aus. Listen, die mir sonst helfen, alles zu strukturieren, helfen da auch nicht weiter. Denn ich komme immer wieder auf dieselben Punkte:
  • BAföG bekomme ich nicht, weil mein Vater zu viel verdient.
  • Mein Vater ist nicht willens, mich auch während meines Master-Studiums noch zu unterstützen. Unser Verhältnis ist momentan nicht sehr gut (sehr oberflächlich) aber auch nicht schlecht genug, um ihn zu verklagen oder damit zu drohen.
  • Während meines Master-Studiums darf ich nicht mehr als 20 Stunden unter der Woche arbeiten. Ob ich damit genug Geld verdiene, sei dahingestellt.
  • Ich müsste erst einmal einen Job finden, der sich auf meine Uni einstellt - und nicht umgekehrt. Zwei Absagen habe ich schon erhalten, nun warte ich auf eine weitere Antowrt - dann hätte ich immerhin einen Job von Oktober bis Dezember und eventuell die Möglichkeit der Verlängerung (wenn sie auch klein ist).
  • Es gibt genau drei Stipendien, die für mich in Betracht kommen; für eines gibt es noch keine Bewerbungsfrist, bei den anderen würde ich frühestens ab 2015 finanzielle Untertstützung bekommen. Das Problem: Im Bachelor brauchte ich kein Stipendium, die meisten Stiftungen möchten aber gern langfristig fördern.
  • Auch wenn der Liebste es gern würde, kann er mich finanziell nicht unterstützen - und ich finde auch nicht, dass das seine Aufgabe ist. Auch meine Mama verdient nicht genug Geld.
Ist es nicht dumm, dass die Menschen, die mich sofort unterstützen würden, nicht genug Geld haben und derjenige, der es könnte, nicht will? Das Verhältnis zu meinem Vater wird immer oberflächlicher, er fragt nur Leistungen ab (Was macht die Bachelor-Arbeit? Wie läuft es bei der Arbeit?) und ärgert sich, dass er, während er mich unterstützte, nur dreimal im Jahr mit seiner neuen Frau und deren Tochter in den Urlaub fahren konnte. Das macht mich nicht einmal mehr wütend, denn so kenne ich ihn eben. Er weiß nicht, dass ich schon so lange krankgeschrieben bin und ich habe auch kein Bedürfnis, ihm das zu erzählen. Ich will es selbst schaffen und ihn nicht um Geld bitten!

Puh. So viel negatives Zeug auf einmal... Jetzt erst einmal durchatmen und eine Schöne-Dinge-Liste machen. Vor dem Gespräch mit dem Teamleiter kann ich ohnehin nichts entscheiden.

Kommentare:

  1. Erstmal: KOPF HOCH! Das wird alles wieder. Ich war letztes Jahr längere Zeit krankgeschrieben, privat und beruflich passte nichts zusammen, ich habe viel geweint, bin schnell ausgerastet und wollte nur noch in ein Loch fallen und aus dem nicht rauskommen. Meine Ärztin wollte mich noch länger rausnehmen, aber in Hinsicht auf Kinder, Familie und Co bestand ich auf das Arbeiten und den Wiedereinstieg, versuche aber seitdem, mich zurückzunehmen. Gelingt mir leider nicht ganz so, aber es wird von mal zu mal besser. Ich habe das auch nicht an die große Glocke im Familienkreis gehangen, ich hatte keine Lust auf Fragen, auf die ich letztendlich keine Antworten wusste. Geholfen hat mir im ersten Schritt eine Gesprächstherapie, die ich selbst behahl(t)e und deren Kontakt ich bis heute in Anspruch nehme, wenn ich es brauche. Das war sehr sehr teuer und wir haben mit Sicherheit eigentlich kein großes Geld, aber in Hinsicht auf meine Gesundheit gab es da keine großen Diskussionen.
    Jetzt, 12 Monate später sehe ich es als weniger schöne Episode in meinem Leben, ich war heilfroh, daß das Jahr 2013 vorbei war und ich ermahne mich jetzt noch mehr denn je, auf meinen Körper und meinen Kopf zu hören und auch N E I N zu sagen. Ich habe auch keinen Bock auf Phrasen wie "Modekrankheit", "hält nichts aus" blablablubb, denn wer die Lebensgeschichten des Einzelnen kennt und sich bemüht, sie zu verstehen und auch zu hinterfragen, der wird mit solchen Phrasen nicht kommen. Zum Glück musste ich mir solchen Scheiß nicht anhören und hatte vor allen Dingen mit meinem Partner/Freund/ManndesLebens/Scheinchef das Glück, meinen Fels gefunden zu haben.
    Wie gesagt - ich wünsche Dir einfach nur Kraft, das geht alles vorbei. Sei lieb gegrüsst - und wenn Dir fad ist, kannst du mich gern kontaktieren. Alles Liebe!

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    1. Hab' vielen Dank für deine Worte - es ist immer so gut, nicht allein mit etwas zu sein! Gerade die Fragen, die mag ich auch nicht hören, deshalb halte ich mich damit auch sehr zurück. Es ist ja auch schwer und man hat selbst so viele Fragezeichen im Kopf. So einen Fels habe ich auch, ich denke, ohne sähe die Sache noch einmal ganz anders aus... Ich werde auf jeden Fall weiter berichten - wenn der Teamleiter sich denn dann mal meldet!
      Viele liebe Grüße und noch einmal: DANKE!

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  2. Puh, das zieht einen natürlich runter. Aber Kopf hoch!
    Everything happens for a reason!
    Auch wenn es im ersten Moment so viel oist woran man knabbern muss... es wird wieder, vertraue darauf!
    Ich wünsche Dir viel Kraft und eine schnelle Genesung!

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    1. Du hast Recht - so langsam kann ich wieder darauf vertrauen und mich ein wenig entspannen. Es dauert zwar, aber es wird!
      Ich wünsche dir ein schönes Wochenende. :)

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Vielen Dank für deine Worte, ich freue mich über jeden Kommentar und schalte ihn so schnell wie möglich frei! Meist antworte ich auch darauf. ;)

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